[ weshalb die psychische Abhängigkeit gravierender ist, als die physische ]

 
    Um diese Tatsache verstehen zu können, ist es notwendig, darauf einzugehen, wie die psychische (seelische) und physische (körperliche) Abhängigkeit entstehen.

    Physische Abhängigkeit entsteht, indem ein Wirkstoff in den Stoffwechsel des Körpers integriert wird, also sich etwas im Körper ändert (z.B. die sogenannte "Down-Regulation" der Opioidrezeptoren, Also die Abnahme der Ansprechbarkeit durch Opioide) oder der Körper weniger seiner eigenen Substanzen (hier Opioide wie ß-Endorphin, Dynorphin oder Leu-Enkephalin) produziert. Durch diese Faktoren entsteht eine Toleranzbildung - die Dosis muss dann für den gleichen Effekt erhöht werden.

    Werden nun die extern zugeführten Opioide abgesetzt, fehlt dem Körper etwas, was er eine gewisse Zeit lang gewohnt war und worauf er sich eingestellt hatte. Man spricht in diesem fall von physischer oder körperlicher Abhängigkeit.

    Das scheint zunächst verheerend klingen, jedoch findet das alles auf einer nicht-intelligenten Ebene ab, die Psyche hat damit nicht soviel zu tun und es werden so keine Assoziationen erstellt. Hier zwei Beispiele für Assiziationen: -

  • wenn Wirkstoff ‘x‘ genommen wird fühle ich mich gut
  • ich brauche Wirkstoff ‘x‘ um nicht depressiv zu sein
Die beiden Beispiele beziehen sich nicht auf die schmerzstillenden-, sondern auf die euphorisierenden Eigenschaften der Opioide.

Zwar gibt es gewisse Parallelen zwischen der physischen- und der psychischen Abhängigkeit, aber die Physische speichert keine Information über die positiven Erfahrungen im Langzeitgedächtnis. Das ist die Eigenschaft der psychischen und genau deshalb ist sie die wirkliche Gefahr. Eine physische Abhängigkeit erschwert zwar den Entzug, nach einigen Tagen ist man sie aber wieder größtenteils los, wohingegen eine psychische Abhängigkeit meistens ein leben lang bleibt und immer wieder aufflammen kann, da man sich nur zu leicht an die positiven psychischen Wirkungen erinnert – die Euphorie, das Glücksgefühl, die Zufriedenheit und Sorglosigkeit – all das hat man im Langzeitgedächtnis und man bekommt es da auch meist nicht mehr vollständig heraus.

Physische Abhängigket entsteht nur bei längerandauernder Einnahme von 2-6 Wochen und festigt sich dann noch etwas weiter. Psychische Abhängigkeit kann schon nach einer Woche entstanden sein, es kann aber auch länger dauern – die psychische Abhängigkeit ist eben tückisch.

 

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