[ Was tun bei Überdosierung? ]

 
Was bei den Folgenden Symptomen einer Überdosierung zu tun ist:

  • Atemdepression/Atemlähmung: Opioide unterdrücken die Reize, die für unsere Atemaktivitäten zuständig sind. Das geht von der harmlosen Unterdrückung von Hustenreizen bis hin zur vollständigen Unfähigkeit, zu Atmen. Die Gefahr steigt fast proportional mit der Stärke des Opioids. Opioide können auch eine unauffällige Atemdepression auslösen, d.h. Man kann normal Atmen, verspürt allerdings wenn man nicht atmet auch nicht den Schmerz, den die Natur eingerichtet hat, damit wir das Atmen nicht vergessen. Dies ist besonders während des Schlafs gefährlich.
    Grundsätzlich sollte man bei Opioiden, die man noch nicht kennt, auf die man gerade erst eingestellt wurde, ... etc. Vorsicht walten lassen - weder Schmerzen noch der wunsch nach Euphorie ist es wert, sich in diese Gefahr zu bringen, zu hohe Dosen sollten nicht nur bei hochpotenten, sondern auch bei niederpotenten Opioiden wie Tramadol, Codein, Dihydrocodein, Tilidin, ... vermieden werden. Zwar ist bei den niederpotenten Opioiden die Gefahr nicht so hoch wie bei einem hochaffinen Stoff wie Fentanyl, dennoch: Auch an Codein kann man sterben und egal welche Intention hinter der Einnahme des Opioids steht, ob eigenmächtig entgegen dem Rat des Arztes oder als Konsument zur Erzielung von Euphorie: Übertreiben ist sehr gefährlich! Hat man Angst, kann man auch jemanden bitten, bei einem zu bleiben. Übrigens ist das auch bei Schmerzpatienten, die in ihrem Leben zum ersten Mal ein Opioid nehmen, teilweise der Fall.

    Wie ist eine Atemdepression zu behandeln?
    Zuerst findet eine Beatmung statt, dann wird evtl. ein Antagonist verabreicht, z.B. Naloxon (Narcanti®). Besonders problematisch ist eine Überdosierung mit Buprenorphin, denn dieses Opioid hat eine extrem hohe Affinität und kann so nur schlecht, manchmal garnicht (bei sehr hohen Dosen) mit dem Antagonisten Naloxon antagonisiert werden. Zwar gibt es noch Naltrexon, was eine höhere µ-Affinität als Buprenorphin aufweist, dies ist in der Humanmedizin aber nur als Tablette erhältlich und daher nicht für den Notfall geeignet, der Antagonist Nalmefen ist noch nicht richtig erprobt, und Diprenorphin wird nur in der Veterinärmdizin zur Antagonisierung von Kataleptika verwendet.
    Die Behandlung einer Intoxikation mit Hilfe von Opioidantagonisten sollte unbedingt einem Fachmann überlassen werden. Also sofort Notarzt rufen ("Vergiftung/Atemstillstand ohne Fremdeinwirkung" wegen Polizei). Bei akuten Intoxikationen sollte man übrigens keine Sekunde zögern, den Rettungsdienst zu rufen, aus auf die Gefahr hin, dass doch die Polizei mitkommt, denn es geht um Leben und Tot!

    Vorher die Person in stabiler Seitenlage (Atemwege freihalten, Erbrochenes ablaufen lassen) vor Wärmeverlust schützen, Atemkontrolle, bei Ansprechbarkeit Atembefehle, notfalls Mund-zu-Nase-Beatmung. Bei peroraler Aufnahme toxischer Mengen und Ansprechbarkeit ein Glas Salzwasser trinken und erbrechen lassen, evtl. Rachenreizung. Zur Kreislaufstabilisierung starken Kaffee oder ein Coffein-Monopräparat verabreichen, bei Bewußtlosigkeit rektal, evtl. Zugabe von Natriumsulfat und Aktivkohle (je ein TL/250ml). Bei subcutaner Applikation tox. Dosen sofort proximale (zum Körperstamm) venöse Stauung anlegen und alle 15min lockern, Injektionsstelle mit Eis kühlen.

    Als Analeptikum bei Atemdepression kann auch Ephedrin/Amphetamin/Methamphetamin (Ephe/Speed/Pep/Crystal) verabreicht werden, sollte aber nur gemacht werden, wenn kein Notarzt zur Verfügung steht.

    Antidote: selten wird auch noch Nalorphin verwendet, obsolet hingegen Levallorphan. Naloxon wirkt hingegen nicht atemdepressiv, wichtiger als Antidote ist aber Beatmung mit O2/CO2-Gemisch (Luft).

     
  • zentrale Krämpfe: Einige Opioide, z.B. Tramadol (z.B. Tramal) oder Pethidin (Dolantin®) bzw. deren Metaboliten wirken Krampffördernd bzw. senken die Krampfschwelle, sodass bei einer Überdosierung Krämpfe auftreten. Ist die Person am beginn eines Krampfes und ist ein Krampflösendes Mittel wie Diazepam (Valium) verfügbar, kann dies verabreicht werden. Dabei muss aber auch die Dosis (meiner Erfahrung nach 10mg) beachtet werden, da zuviel auch zu einer Atemdepression beitragen kann. Die Person muss trotzdem weiterhin unter intensiver Beobachtung bleiben, im Zweifelsfall den Notarzt rufen. Bei schweren/akuten Krämpfen/Krampfanfällen sofort Norazt verständigen! Bis zu Eintreffen des Notarztes versuchen, die Person in stabile Lage zu bringen und leicht zu fixieren um sie vor Selbstverletzung durch unkontrollierte Bewegungen zu schützen. Alle Stressverursachenden Faktoren (Musik, schnelle Lichtwechsel, Streit, ... etc.) vermeiden und möglichst sanft mit der Person umgehen. Hier unter keinen umständen Stoffe wie Koffein, Amphetamin oder ähnliche verabreichen!
  • Vergiftung durch unbekannte Substanzen: Bei allen Drogen, die auf dem Schwarzmarkt erworben wurden, insbesondere bei Heroin, dessen Qualität in der letzten Zeit auf ein bedenkliches Rekordtief gefallen ist, können in den Streckstoffen sehr toxische Stoffe enthalten sein, die bei der Anwendung zu einer Vergiftung durch die jeweiligen, normalerweise unbekannten Substanzen, führen können. Da es für Laien in der Regel schwer zu diagnostizieren ist, was die betreffende Person genau hat, gilt auch hier: Bei Atemstillstand, Bewusstlosigkeit, ... etc, sowie dann, wenn derjenige selbst meint, dass er Hilfe braucht, umgehend den Notarzt verständigen und bis zu dessen Eintreten bei Atemstillstand die Person beatmen.
 
Achtung: Gerade bei derart engem Umgang mit Menschen (künstliche Beatmung o.ä.) gibt es für die Helfer auch Gefahren, die beachtet werden sollten! Hier spielen beispielsweise übertragbare Krankheiten eine ernstzunehmende Rolle. Damit man sich selbst keiner allzugroßen Gefährdung aussetzt, hier ein paar Grundregeln: -

  • Direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten (besonders Blut) soweit möglich vermeiden, bei künstlicher Beatmung bringt z.B. schon ein einfaches Beatmungstuch, was man z.B. bei Soehngen für einen knappen Euro bekommt viel Sicherheit.
  • Beim Versorgen von Wunden (z.B. Injektionsstellen) leisten Einweg-Untersuchungshandschuhe (keine 50 Cent pro Paar) gute Dienste!
  • Gebrauchte Injektionsutensilien sind mit beonderer Vorsicht zu behandeln! Sie sollten aber auch vorerst nicht einfach herumliegen gelassen werden, da sich z.B. leicht jemand an einer Kanüle verletzen könnte, was bei einer Hepathitis oder HIV-Infektion der kollabierten Person schwere Folgen haben kann, zudem gibt es etliche andere ansteckende Krankheiten. Also vorsichtig in ein stabiles Behältnis (z.B. Pappkarton) legen (möglichst ohne direkten Kontakt zu den Sachen, also mit Handschuhen oder einem Tuch), das man bis zur Entsorgung an einem sicheren Ort aufbewahrt.
Ein wichtiger Punkt ist in diesem Zusammenhang auch die Sicherheit des anderen, wenn man selbst eine Infektionskrankheit oder Ähnliches hat. In diesem Fall sollte man die Versorgung des Patienten möglichst jemand anderem übertragen und selbst nur dann aktiv werden, wenn es garnicht anders geht!

 
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