[ Nebenwirkungen ]
 

Typische unerwünschte Nebenwirkungen von Standard-Opioiden: -

  • Nausea/Emesis (Übelkeit/Erbrechen): Mit die häufigste Nebenwirkung bei Opioiden ist Übelkeit bis hin zum Erbrechen. Ausgelöst wird sie durch starke Histaminfreisetzung sowie durch Reizung des im Hirnstamm gelegenen medullären Brechzentrums. Häufig eingesetzte Wirkstoffe zur Bekämpfung von Übelkeit: Dimenhydrinat, Metoclopramid, Magnesiumcarbonat, Lactulose. Unspezifisch wirkende H1-orientierte Antihistaminika sollten, sofern sie zur Anwendung kommen, vor der ersten Opioidgabe verabreicht werden. Bei akuter Übelkeit hilft flaches und entspanntes Liegen (z.B. im Bett). Dabei sollte der Oberkörper geringfügig höhergelegt werden um im Fall von Erbrechen die Aspiration (Einatmen) des Erbrochenen zu verhindern. Es sollte für ausreichend Sauerstoff im Raum gesorgt sein.
  • Juckreiz: Auch Juckreiz kommt als Nebenwirkung recht häufig vor und ist auf vermehrte Histaminfreisetzung zurückzuführen. Gegen Juckreiz helfen unter anderem Antihistaminika der Generation II wie Cetirizin, Loratadin oder Fexofenadin. Bei akutem Juckreiz, wenn die Zentren klein sind, helfen auch Lokalanästhetika (z.B. Lidocaincreme, Lidocainlösung) gut. In Extremfällen kann auf Corticoide zurückgegriffen werden, das ist aber eher selten.
  • Harnretention (Zurückhaltung des Harns): Harnretention kommt nicht ganz so häufig vor, wie Übelkeit und Erbrechen, kann aber noch als normale Nebenwirkung eingeordnet werden. Sie ist Folge der durch Opioid verursachten freisetzung des antidiuretischen Hormons (ADH). Normalerweise bedarf es keiner Therapie, bei schweren Fällen können Anticholinergika gegeben werden. Laien sollten allerdings auf eine derartige Selbstmedikation verzichten!.
  • Schwindel: Diese Nebenwirkung ist auf allgemeine Wirkungen von Opioiden im Zentralnervensystem (ZNS) zurückzuführen. Beim Auftreten stärkerer Schwindelgefühle sollte man sich hinlegen oder soweit möglich, entspannt in etwas liegender Haltung hinsetzen.
  • Miosis (Verengung der Pupillen): Miosis ist fast schon eine Eigenschaft beim Opioidkonsum und auf cholinerge Wirkungen zurückzuführen. Abhilfe braucht hier eigentlich keine Geschaffen zu werden, da diese Nebenwirkung auch bei Dauereinnahme, z.B. bei der Therapie chronischer Schmerzen, für den Körper keine relevante Gefahr darstellt und auch keine störenden Effekte besitzt. Lediglich die Nachtsichtfähigkeit ist etwas eingeschränkt.
  • Mundtrockenheit: Mundtrockenheit kommt unter Opioideinnahme recht häufig vor und resultiert aus einer hemmung der Speichelproduktion. Das Ganze ist mitunter recht störend und kann auch nachteilge Effekte auf die Mundflora haben, Beispielsweise werden Zähne empfindlicher für Karies. Deshalb sollte man möglichst viel Wasser trinken (bei Übelkeit natürlich nicht). Man sollte vermeiden, zu viel auf einmal zu trinken oder massenhaft Luft in den Magen zu bekommen, da dies leicht Übelkeit begünstigt.
  • Appetitlosigkeit: Unter Opioideinfluss kann der Appetit abnehmen, jedoch kann auch das Gegenteil der Fall sein.
  • verminderter Sexualtrieb: Der Sexualtrieb (libido) kann durch Opioide vermindert werden. Diese Nebenwirkung kommt recht häufig vor. Sie bezieht sich auf den reinen Sexualtrieb - nicht auf tiefere Emotionen.
  • Ataxie (Koordinationsstörungen): Ataxie kommt bei niedrigen Dosen eher seltener vor und ist auf die allgemeine Wirkung der Opioide auf das Zentralnervensystem (ZNS) zurückzuführen. Wenn diese Nebenwirkung auftritt, Dosis reduzieren; tritt keine Besserung auf, Opioid wenn möglich absetzen und Umstieg auf ein anderes in Erwägung ziehen.
  • Dysphorie (Verstimmung, gegenteil von Euphorie): Recht seltene Nebenwirkung von Opioiden. Die Ursachen können vielfältig sein und sind nicht genau beschreibbar. In diesem Fall Opioid vorerst absetzen und ggf. auf ein nicht-opioid-Analgetikum umsteigen, falls die Schmerzen zu stark sind. Später kann man versuchen, ob das Ganze nur eine einmalige Sache und durch andere Faktoren bedingt war oder man generell so auf Opioide reagiert. In diesem Fall gilt: Bei leichten Schmerzen, die keiner ärztlichen Behandlung bedürfen, auf nicht-opioid-Analgetika umsteigen, bei stärkeren Schmerzen den Arzt über diese Nebenwirkungen aufklären und gemeinsam nach einer Möglichkeit zur Elimination der Nebenwirkung suchen, sofern die Dysphorie zu stark ausgeprägt und nicht zu vernachlässigen ist..
  • Kopfschmerzen: Kopfschmerzen von Schmerzmitteln? Das erscheint auf den ersten Blick richtig paradox, kann aber durchaus vorkommen. Der sogenannte "Analgetika-Kopfschmerz", also der Kopfschmerz, der durch Schmerzmittel ausgelöst wird, tritt relativ selten auf und kann nicht durch höhere Dosen des Schmerzmittels therapiert werden. Der Schmerz ist in der regel ein mittelstarker und penetranter. Die Ursachen für diesen Kopfschmerz sind bislang unbekannt. Tritt er auf, soweit möglich das Opioid herunterdosieren bzw. auch nicht-opioid-Analgetika umsteigen, oder vorrübergehend alternative Möglichkeiten zur Schmerzbekämpfung suchen, falls der Kopfschmerz unerträglich ist. Wenn man keine Schmerzen hat, das Opioid vorerst ganz absetzen. Übrigens: längerandauernde opioidbedingte Übelkeit kann auch Kopfschmerzen nach sich ziehen!
  • Rigidität (Muskelstarre): Diese Nebenwirkung wird dann unangenehm, wenn sich shmerzhafte Verspannungen durch andauernde leichte Starre der Muskeln bilden. In der Regel ist das vernachlässigbar, wird es zu unangenehm, kann durch die Gabe eines muskelrelaxierenden Wirkstoffs (z.B. Tolerperison, Tetrazepam, ...) entgegengewirkt werden.
  • Hypotonie/Bradykardie (niedriger Blutdruck/niedriger Puls): Opioide können in gewissem Umfang auch niedrigen Blutdruck und niedrigen Pulsschlag verursachen. Normalerweise bekommt man davon in der Regel aber kaum etwas bis garnichts mit. Diese Nebenwirkungen spielen normalerweise nur bei hohen Dosen oder bestimmten Kombinationen und Vorerkrankungen eine Rolle.
  • Atemdepression: Die Atemdepression ist eine sehr gefährliche Nebenwirkung bei Opioiden, da sie recht schnell zum Tod führen kann. Man kann sich recht gut gegen Sie schützen, indem man bestimmte Dosen nicht überschreitet und falsche Kombinationen oder Opioide, die schon bei therapeutischen Dosen ein hohes atemdepressives Potential haben meidet (z.B. Fentanyl). Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es natürlich nicht. Die Atemdepression kommt durch mehrere Faktoren zustande: Einerseits dämpfen Opioide das Atemzentrum und die Erregungsleitung zur Lunge, andererseits unterdrücken sie den Schmerzreiz, der davor schützen soll "das Atmen zu vergessen". Zusammenwirkend kann das dazu führen, dass man nicht mehr automatisch atmet und auch nicht durch einen Schmerzreiz dazu angeregt wird. Tagsüber kommen noch andere Sachen hinzu, die einen ans atmen erinnern, nachts während man schläft, sieht es aber anders aus. Zudem kann es auch passieren, dass Opioide in hohen Dosen die Atmung lähmen. In solchen Fällen ist es besonders wichtig, denjenigen künstlich weiterzubeatmen und den Notarzt zu verständigen (näheres dazu auch in den Abschnitten "was tun bei Überdosierung" und "Verhalten bei akuten Notfällen").
 

Typische teilweise erwünschte Nebenwirkungen von Standard-Opioiden: -

  • Euphorie (Hochstimmung): Euphorie ist wohl der Hauptgrund für den nichtmedizinischen Opioidkonsum. Doch auch in der Medizin ist die Euphorie eine nicht immer unerwünschte Nebenwirkung. Euphorie beim postoperativen Patienten ist beispielsweise recht willkommene Sache (wobei dieser Meinung nicht alle Ärzte sind, darüber gibt es teilweise in Fachkreisen gespaltene Meinungen), da der Patient so besser die Belastung nach der Operation bewältigen kann und ihm die Genesung erleichtert wird. Hier sollte jedoch auch besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, die Analgetika rechtzeitig auszuschleichen und nicht noch unnötig wochenlang zu verordnen, sodass der Patient ungewollt physisch abhängig wird. Das gilt natürlich nur, wenn er keine Schmerzen mehr hat. Solange Schmerzen bestehen, ist eine ausreichende Versorgung mit geeigneten Medikamenten absolut notwendig!
  • Sedierung (Beruhigung): Medizinisch ist diese Nebenwirkung in gewisser Hinsicht durchaus willkommen. Beispiele hierfür sind z.B. der Einsatz von Antitussiva (also Mittel zur Stillung des Reizhustens) oder Analgetika (Schmerzmittel) während der Nacht. So wird neben der Hauptwirkung auch noch ein angenehmer Schlaf des Patienten ermöglicht. Desweiteren spielt diese Eigenschaft der Opioide auch bei der Anästhesie eine große Rolle. Opioidkonsumenten wiederum kommt die beruhigende/dämpfende Wirkung durchaus gelegen: Solange sie im Rahmen bleibt ergibt sich so zusätzlich zur Euphorie eine angenehme Entspannung und es werden interessante Halbwach-Zustände ermöglicht, was Konsumenten auch "Nodding" nennen. Zu bemerken ist hier, dass es auch Opioide gibt, die in nicht allzuhohen Dosen sehr wenig sedieren oder sogar stimulieren (z.B. Tramadol), was die Aktivitäten während des Konsums beeinflusst, da der Konsument lebhafter und gesprächiger ist und einen gesteigerten Tatendrang besitzt. Unerwünscht hingegen ist die Sedierung dann, wenn das Reaktionsvermögen nicht beeinflusst werden darf.
  • Obstipation (Verstopfung): Was auf den ersten Blick vielleicht unsinnig erscheint, hat durchaus seine Berechtigung, nämlich im Einsatz von Opioiden als Antidiarrhoika (Mittel gegen Durchfall) wie beispielsweise Loperamid, ein häufig verwendetes, nicht zentralwirksames Opioid bei starkem Durchfall.
  • Hyperthermie/Schwitzen: Hyperthermie ist eine häufige Nebenwirkung der Opioide, die z.B. dann erwünscht ist, wenn der Patient aus der Narkose erwacht und unter dem danach oft vorhandenen Kältezittern leidet. Auch bei Opioidkonsumenten ist die Wirkung (je nach Jahreszeit ;-) nicht unerwünscht. Wird es zu arg, kann man kalt Duschen (dabei sollte man aber beachten, dass das Wasser in Wirklichkeit ein wenig kälter ist, als es sich anfühlt – also zeitlich nicht übertreiben! ;-) Viel trinken sollte man ohnehin.

 

Sonstige Nebenwirkungen bei bestimmten Stoffen:

  • Tramadol: Zentralnervöse Unruhezustände, Zerebrale Krampfanfälle: Durch die noradrenerge/serotonerge Wirkung des Tramadols wird die Krampfschwelle gesenkt. Dem kann bei Auftreten durch Dosisminderung sowie wenn erforderlich durch Gabe von antikonvulsiven (krampflösenden) und/oder sedierenden (dämpfenden) Medikamenten entgegengewirkt werden.
  • Pethidin: Durch den bei längerandauernder Einnahme kumulierenden aktiven Metaboliten Norpethidin ergeben sich teilwese ähnlich Nebenwirkungen wie bei Tramadol.
  •  
    Verwandte Themen

    > Wechselwirkungen
    > Pharmakologie der Opioide