Name des Opioids Morphin
besonders bekannte Bezeichnungen Morphin, Morphium 
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Morphin war das erste medizinisch eingesetzte Opiat in Reinform (Opium wurde in der früheren Medizin ja schon länger verwendet). Gleichzeitig ist es neben Diacetylmorphin (Heroin) das bekannteste - wenn auch es die meisten als "Morphium" kennen, jedoch wird dieser Begriff in der heutigen Medizin nicht mehr verwendet.

Es besitzt ausgeprägt euphorisierende und sedierende Eigenschaften und ist daher einerseits beliebt, andererseits als bekanntestes Opiat aber auch sehr gefürchtet. Morphin dürfte auch den meisten Menschen, die sich nicht näher mit Opioiden beschäftigen als Schmerzmittel ein Begriff sein. Im Gegensatz zu vielen anderen Opioiden wird Morphin oral eher schlecht resorbiert, weshalb hier höhere Dosen benötigt werden. Zudem bildet es schneller eine Toleranz aus als viele andere Opioide. Aus diesen Gründen sind in der Schmerztherapie eher andere Opioide vorteilhaft (z.B. das wesentlich nebenwirkungsärmere Hydromorphon). Übrigens fällt auch beim Blick auf die Opioidkonsumszene auf, dass Morphin hier ähnlich dem Diacetylmorphin oft nasal konsumiert wird.

Morphin hat eine ausgesprochen sedierende Komponente (Morphin beruhigt/dämpft recht stark), außer bei sehr geringen Dosen und es induziert eine deutliche Histaminfreisetzung.

Morphin kann recht einfach aus Opium extrahiert werden, die Vollsynthese hingegen ist sehr aufwändig und wird daher im Produktionsbetrieb in der Regel nicht praktiziert. Morphin bildet auch den Ausgangsstoff für Diacetylmorphin (Heroin), weswegen Diacetylmorphin (Heroin®) eines der meistverwendeten Opioide ist - durch die vergleichsweise kurzen Synthesewege "lohnt" es sich für die illegal produzierenden Vertriebsringe, das Morphin zum potenteren Diacetylmorphin zu überführen, da dies dann stärker gestreckt werden kann - traurige Wahrheit :-(

Anwendung Morphin als Injektionslösung wird intravenös, intramuskulär oder subcutan injiziert. Morphin-Retardtabletten werden mit reichlich Flüssigkeit eingenommen. Tropfen werden oral mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen, Zäpfchen rektal.
Zu beachten

Morphin ist die Referenzsubstanz für die therapeutische Potenz. An Morphin werden alle anderen Opioide im Bezug auf die Wirkstärke/Dosis gemessen (Details).

Untersuchungen ergaben, dass Morphin ein mutagenes Potential besitzt und klastogen wirkt. Ein tumorerzeugendes Potential kann beim Menschen nicht ausgeschlossen werden. Dasselbe gilt für die Reproduktionstoxizität. Aus diesen und anderen Gründen ist die Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit, sowie bei Männern und Frauen im Gebärfähigen Alter, soweit keine Verhütung erfolgt, normalerweise kontraindiziert.

Vollagonist / Partiellagonist Vollagonist, µ-orientiert
therapeutische Potenz 1 (Referenzsubstanz) 
Wirkungseintritt oral: 20-40min, oral bei Retardpräparaten: 30-90min., i.v.: 10sek-5min, rektal:  10-20min.
HWZ ~3h (teilweise aber schwankend von 1,7-9h)
durchschnittliche Wirkdauer Tabletten, Tropfen, Zäpfchen: 3-4h, 12h-Retardpräpatrate: 11-13h, Injektionslösung: 3-4h
Applikationsformen Tablette, Retardtablette, Retardkapsel, Retardgranulat, Tropfen, Zäpfchen, Injektionslösung
Bioverfügbarkeit oral: ~15-50%
Metaboliten Morphin-6-Glucuronid (aktiv), Morphin-3-Glucuronid (inaktiv), Morphin-6-Sulfat (aktiv)
Dosierung (ohne Toleranz) Einzeldosis: oral nicht retardiert: 0,1 - 0,4mg / kg KG, Tagesdosis: 0,2 - 1,6mg / kg KG. i.v.: 0,025 - 0,1mg / kg KG, Tagesdosis bis zu 0,5mg / kg KG
Wirkmechanismus wirkt direkt wirksam, belegt die µ-Rezeptoren agonistisch und vermittelt dadurch seine opioiden Wirkungen
emetisches Potential mittel - hoch 
sedierendes Potential hoch
besondere mögliche Nebenwirkungen Da Morphin die Krampfschwelle teilweise senken kann, kann es zu Krampfanfällen kommen - insbesondere in Kombination mit anderen krampffördernden Wirkstoffen. Das Krampfpotential ist also leicht erhöht. Derartige Nebenwirkungen sind aber eher selten.
besondere mögliche Wechselwirkungen in Kombination mit anderen krampffördernden Stoffen kann es zu Krampfanfällen kommen.

gefährlicher Dosisbereich

ab 0,4 - 0,5mg / kg KG i.v.; ab 1mg / kg KG oral nicht retardiert, bei Kindern jedoch schon weniger
Antidote Naloxon (Narcanti®), Naltrexon (Nemexin®), Nalmefen (Revex®)
Summenformel
C17H19NO3H2O
IUPAC Name 4,5a-Epoxy-17-methyl-7-morphinen-3,6a-diol
Struktur
Gewinnung

Isolierung aus Opium

rechtlicher Status (Btm / Rp) BtmG Anlage III (Verkehrs- und verschreibungsfähig)
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