[ Geschichte der Opioide ]

 
Schlafmohn (papaver somniferum) war schon lange Zeit vor Christus als Rauschpflanze bekannt. Etwa 4000 - 6000 Jahre v.Chr. nutzten z.B. die Sumerer die berauschenden Effekte der Mohnpflanze. Das Opium war Bestandteil nahezu aller großen Kulturen und sowohl in der Arbeiter-, als auch in der gehobenen Schichtm, aber auch in der Medizin wird es seit Jahrtausenden eingesetzt. Die Art und Weise sowie die Umstände des Konsums haben sich stark gewandelt: War das Opium, bzw. der Schlafmohn damals etwas fast schon Heiliges und wurde vor allem zeremoniell konsumiert, werden Opium und Opioide seit einigen Jahrhunderten immer öfter zur Verdrängung von Problemen benutzt, was zu noch größeren Problemen führt.

Chronologie:

~6000 - 4000 v. Chr.: Schlafmohn wird von Sumerern, Ägyptern und anderen Kulturen als Medizin und Rauschmittel gebraucht. die Kultur spielt dabei eine große Rolle

~200 - 300 v. Chr.: Erste Berichte über Opiumhaltige Tinkturen.

~700 n. Chr.: Der Schlafmohn gelangt nach Indien und China und wird durt kultiviert. Der Schlafmohn hält Einzug in die chinesische Medizin.

~1500: In Persien und der Türkei kommt das Opiumessen in Mode

~1530: Paracelsus entwickelt das Laudanum (~das Gelobte), ein Abkömmling von Theriak, einer konzentrierten Opiumlösung. Das Opium wird mithilfe etwas hochprozentigen Alkohols gelöst. Laudanum enthält zusätzlich Bilsenkrautextrakte. Laudanum ist nicht nur bei den eher einfacheren Menschen sehr beliebt, auch Künstler und Mitglieder der höheren Schicht konsumieren es.

1600 - 1700: In China wird Rauchopium, auch "chandu" genannt, populär. Es handelt sich dabei um durch Zuhilfenahme eines Pilzes (aspergillus niger) fermentiertes Rohopium. Das Herstellen von hochwertigem Rauchopium wird zur Kunst. Mit fortschreitender Zeit entwickelt sich in China ein massives Abhängigkeitsproblem.

1800 - 1900: Um den Opiumkonsum einzuschränken, verhängt China Einfuhrverbote für Rohopium, worauf es zu den sog. Opiumkriegen mit anderen Nationen kommt, da vom Opiumhandel damals viel abhängt und starke staatliche finanzielle Interessen im Spiel sind. 1906 wird die Mohnkultur in China verboten und auf illegalen Anbau hohe Strafen verhängt.

1806: Wilhelm Friedrich Sertürner, ein deutscher Apotheker, isoliert das Morphium (heute Morphin) aus dem Opium. Morphium geht als stark wirksames Schmerzmittel in die Geschichte ein. Es ist benannt nach Morpheus, dem Gott des Schlafes.

1853: Der Franzose Pravaz entwickelt die Injektionsspritze. Nun kann Morphium auch intravenös verwendet werden.

1870 - 1871: Beim deutsch-französischen Krieg wird Morphium in großen Mengen zur Schmerzstillung bei verwundeten Soldaten eingesetzt, was zur Folge hat, dass viele der überlebenden Soldaten als Opiatabhänge heimkehren.

1874: Diacetylmorphin wird erstmalig durch Wright synthetisiert

1898: Die "Farbenfabriken vorm. BAYER & Co." (Heute: BAYER) bringen Diacetylmorphin unter dem Handelsnamen Heroin auf den Markt. Indikationen sind Schmerzen, Husten, Atembeschwerden, später wird es auch bei bestimmten Verhaltensweisen angewendet. Zudem soll Diacetylmorphin als nicht abhängigmachender Morphin-Ersatz herhalten.
Der Begriff "Morphium" wird mit der Zeit obsolet und durch "Morphin" ersetzt

1905: Auch andere Unternehmen beginnen mit der Diacetylmorphin-Synthese. der Handel mit Diacetylmorphin wird sehr lukrativ. Zu diesem Zeitpunkt sind Diacetylmorphin-haltige Präparate freiverkäuflich.

1924: Diacetylmorphin (Heroin) wird in den USA verboten

1929: In Deutschland soll das Opiumgesetz den Umgang und Verkehr mit Narkotika regeln

~1930: Heroin wird als Medikament in Form von Injektionslösung in Ampullen auf den Markt gebracht.

1931: Durch das Genfer Abkommen wird der Umsatz von Diacetylmorphin und anderem Beschränkt, warauf die Produktion zurückgeht.

1939: Schaumann und Eisleb synthetisieren Pethidin bei den "Farbwerken Hoechst" (Heute "Hoechst")

1940 - 1943: Methadon und Levomethadon werden erstmalig in Deutschland hergestellt

1952: die Bundesopiumstelle wird eingerichtet. Diese Behörde ist in Deutschland heutzutage übrigens für die Kontrolle und Vergabe der Betäubungsmittelrezepte zuständig.

1960: Janssen entwickelt Fentanyl, ein hochpotentes Opioid, welches in den Folgejahren immer mehr die bis dahin verwendeten Analgetika Pethidin und Morphin aufgrund wesentlich geringerer Nebenwirkungen und hohem Antinozizeptionsschutz ab.

1960 - 1990: Viele Opioide, darunter Tilidin, Tramadol, Pentazocin, Hydromorphon, Oxycodon und Buprenorphin.

1972: Aus dem Opiumgesetz wird das Betäubungsmittelgesetz

1974: Sufentanil und Alfentanil werden entwickelt

1987: Erste Substitutionsprogramme für Opioidabhängige

ab 1990: Erste Fentanyl-Membranpfalster zur bekämpfung starker chronischer Schmerzen, neue retardierte Morphin- und Oxycodon-Präparationen